AXL LESKOSCHEK
AUSSTELLUNG
im Landhaus Feuerlöscher, Prenning bei Deutschfeistritz
Eröffnung Samstag, 17. Mai 2008, 17.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 18. Mai – 31. Oktober 2008

Axl Leskoschek war der Sohn eines Feldmarschallleutnants und promovierter Jurist. Die Schrecken des 1. Weltkriegs und der moralische Bankrott der Monarchie bewogen ihn zum Bruch mit Familientradition und geplanter Justizkarriere. Schon während des Krieges hatte er gezeichnet, ab 1919 studierte er Malerei und Grafik. 1923 ist er Gründungsmitglied der Sezession Graz und hat bald erste künstlerische Erfolge, vor allem mit Buchillustrationen, die seine existenzielle Basis werden sollten. Als Redakteur beim "Arbeiterwillen“, der Tageszeitung der steirischen Sozialdemokraten, und als Mitglied des Schutzbundes beteiligte er sich am Arbeiteraufstand im Februar 1934. Während seiner Haft 1936/37
im Anhaltelager Wöllersdorf malte er eine umfangreiche Folge allegorischer Blätter in expressiv-surrealem Stil, die zu den bedeutenden Manifestationen widerständiger Kunst in Österreich zählen.
1938 flüchtete Axl Leskoschek vor den Nationalsozialisten in die Schweiz. Weil er unter einem Pseudonym seinen publizistischen Kampf gegen den NS-Staat weiterführte, war er von der Abschiebung bedroht und ging 1940 ins Exil nach Brasilien. Hier wurde er mit sozialkritischen Pochoirs und Buchillustrationen bekannt und leistete als Professor einer Kunstschule einen bis heute unvergessenen Beitrag zur Entwicklung der modernen Grafik in Brasilien. 1948 kehrte er auf Einladung Viktor Matejkas nach Österreich zurück. Eine Professur an
der Wiener Akademie, die ihm in Aussicht gestellt worden war, erhielt er nicht. In der Zeit des Kalten Krieges trat er als Kunstkritiker der kommunistischen Tageszeitung in Wien für den Realismus ein, das brachte ihn in eine Gegenposition zu den Protagonisten des Aufbruchs der österreichischen Kunst nach dem Krieg. Lange wurde sein Werk offiziell kaum beachtet, erst mit seinem Odysseus- und dem Kain-Zyklus erlangte er durch internationale Ausstellungen in den 60er-Jahren eine gewisse Bekanntheit als Vertreter politisch engagierter Kunst. Trotz seiner Bedeutung als Illustrator und eines umfangreichen Werkes an Ölbildern und Aquarellen wurde er erst 1971 in der Neuen Galerie in Graz und 1974 in der Albertina ausgestellt.
Heute gilt er als einer der Hauptvertreter der steirischen Kunst der Zwischenkriegszeit.
ZUR AUSSTELLUNG
Im Landhaus Feuerlöscher in Prenning befindet sich dank der Sammlung von Herrn Gabriel Hirnthaler, der das Anwesen gekauft und sensibel restauriert hat, ein großer Bestand von Werken von Axl Leskoschek. In der Ausstellung dieser Werke – Handabzüge von Buchillustrationen, Mappenwerke und Aquarelle - , ergänzt durch private Leihgaben sowie den Gästebüchern und Fotografien aus Archiven der Neuen Galerie und des Stadtmuseum Graz soll auch ein Eindruck von der Bedeutung des Hauses für die steirische Kunst vermittelt werden. Das Landhaus diente als Treffpunkt von Künstlerinnen und Künstlern, die auch in schwierigsten Zeiten den aufrechten Gang bewahrten. Diese werden im Frühstückszimmer mit Portraits und Kurzbiografien vorgestellt.
In seinen Buchillustrationen bevorzugte Axl Leskoschek den Holzschnitt, den er durch Holzstichtechniken des 19. Jahrhunderts virtuos erweiterte. Für ca. 60 Bücher hat er zu Lebzeiten an die 1500 llustrationen geschaffen, posthum sind durch die Edition „Grafischer Zirkel“ von Erich Fitzbauer weitere 30 Bücher mit seinen oft nur Briefmarken großen Arbeiten erschienen. Sie sind durch eine sensible stilistische Annäherung an Autor und Zeit der Entstehung der Texte gekennzeichnet. Gleichzeitig gelingt es ihm, unverwechselbar zu bleiben und immer wieder seinen funkelnden Humor durchscheinen zu lassen. Als Beispiele werden 5 Bücher, die er zwischen 1921 und 1960 illustriert hat mit den dazugehörenden Handabzügen präsentiert. Eine Diaprojektion zeigt weitere ca. 60 Arbeiten, die durch die starke Vergrößerung überraschende Abstraktionen und virtuose Details sichtbar werden lassen.
In den beiden Mappenwerken „Odysseus“(1938-1959) und „Kain-Zyklus“ sind die ästhetischen und politischen Anliegen Axl Leskoscheks am Eindruckvollsten vereint: Vor der Folie der Texte aus der Odyssee entstand eine Folge von Darstellungen, in denen er seine eigene Flucht 1938 in die Schweiz, Emigration nach Brasilien und Rückkehr nach Österreich thematisiert und dabei in der Darstellung seine stilistischen Errungenschaften und Formfindungen seit den 1920iger Jahren aufblitzen lässt. Die ausgestellten Blätter waren Geschenke an Lilli Feuerlöscher, frühe, besonders sorgfältige Abzüge.
Auch der ausgestellte Kain-Zyklus (1961–1964) hat einen politischen Hintergrund: Er ist dem hingerichteten Freund Herbert Eichholzer gewidmet und thematisiert Faschismus und Krieg ebenso wie die atomare Bedrohung des Weltfriedens nachher. Neben den Linolschnitten werden die originalen Entwürfe und nicht veröffentlichte Varianten zu sehen sein. Die ausgestellten Aquarelle und Ölbilder haben einen besonderen Bezug zum Landhaus und seinen Bewohnern oder zu ihrer Umgebung. Sie befanden sich im Haus oder wurden unter diesen Gesichtpunkten ausgewählt. Ergänzt wird die Auswahl durch 2 frühe Federzeichnungen um 1919, die zeigen, dass Leskoschek zu den Avantgardisten zu zählen war.
Veranstalter: Verein „Prenninger Gespräche“
Kuratiert von Günter Eisenhut und Günther Holler-Schuster
Organisation, Texte: Günter Eisenhut
Ausstellungsdesignberatung: Erika Thümmel
Hängung: Karl Grünling und Edgar Sorgo
Grafik: Max Gansberger
Dank an die Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz und an das Stadtmuseum Graz für die Leihgaben.